Da bin ich nun. Herausgepresst aus fliegendem Aluminium.
Angeschwemmt mit einer Rush-Hour, die selbst achtspurige Skyways hoffungslos unter der auf ihnen träge dahinrollenden Blechlawine ächzen lässt.

Sprechende Ampeln und eine unüberschaubare Anzahl riesiger brabbelnder LED-Wände an den Wolkenkratzern trommeln unaufhörlich in babylonischem Geschnatter schrille Botschaften in die heiße Nacht. Ich schwitze. Ich zittere. Meine Augenlider möchten zufallen, doch Adrenalin und viel Kaffee zwingen sie, meine nervös zuckenden Augäpfel offen zu halten.
Tokyo, da bin ich nun. Stehe in deiner Hitze. Dem Herbst in Deutschland entflohen, 11 Stunden Flug, davor 7 Stunden Autobahnstau. Da stehe ich nun, blass und feucht, schwitze in meine deutsche Jacke, während sich Horden ausgelassen feiernder Japanteenies an mir vorbeidrücken, geschminkt wie Pokemons, wie Goth-Queens, wie Rockstars, wie James Bonds. Da stehe ich nun, drehe meinen Kopf hin und her. Weiß gar nicht, wohin ich als erstes schauen soll, bin müde und aufgekratzt, überwältigt.

Tokyo. Japan. Und ich mitten drin. Es surrt. Es brummt. Und hier nun drei Wochen Fahrrad fahren. 13 Etappen. 1.500 Kilometer.

Unter mir brodelt Asien.
Und ich? Ich habe keine Ahnung, wie ich das hier alles schaffen soll.